Kerstin Preiwuß und Studierende des DLL stellen neue Märchentexte vor
Im Märchen geht es zu, wie es zugehen sollte, wenn das Wünschen hilft: Die Bösen werden bestraft, die Jüngste bekommt den Prinzen, der Dumme das halbe Königreich. Aber das war einmal …
Ein Semester lang haben Kerstin Preiwuß und ihre Studierenden am Deutschen Literaturinstitut Leipzig sich mit bekannten Märchen auseinandergesetzt und Überschreibungen probiert. Die Texte von Sonali Beher, Anna Fišerová, Felix Gräbeldinger, Meret Hauber, Sarah Hensel, Raphael Ostertag, Valeria Nieberg, Linus Schuierer, Grigory Stanskiy und Lilith Tiefenbacher zeigen eine enorme Vielfalt: Manche bleiben nah an der Vorlage und verschieben nur ein Detail, bis alles kippt. Dornröschen etwa ist ein Kind in einem Bordelldorf in Bangladesch, und Schneewittchen schneidet vor der Webcam Äpfel. Andere Texte verstecken ihre Vorlage, bis nur noch ein Rest übrig ist: ein Mädchen, das Gold hustet, ein Dummkopf, der den Wunschhecht verschmäht und als Kriegsheld zurückkommt. Hänsel und Gretel verirren sich gleich zweimal, einmal in einem Haus aus Zucker, einmal im Schlaf ihrer Mutter. Und manche Texte erfinden ihr Märchen fast ganz neu. Da zieht ein Ritter im Aquarium Stück für Stück seine Rüstung aus, zwei Schwestern finden eine Nacht lang wegen einer Fliege keinen Schlaf, und eine Frau lässt das Gemüse ungeschnitten liegen, fährt, bis es nicht mehr weitergeht, und taucht ins Meer. Alle Texte erscheinen in der Dezember- Ausgabe der »horen« (Wallstein 2026).
Eintritt: 10,- / 7,- EUR ǀ Veranstaltung des Literaturhauses Leipzig e.V. in Kooperation mit dem Deutschen Literaturinstitut Leipzig Diese Veranstaltung teilen