Mit Mojca Kumerdej & Ana Svetel (Suzana Tratnik musste aus gesundheitlichen Gründen leider absagen.)
Slowenien ist ein kleines Land, in dem man in der Vergangenheit oft schweigen musste und das knappe Literaturformen wie Gedicht oder Kurzgeschichten bevorzugt. Thorsten Ahrend spricht mit zwei preisgekrönten Kurzprosaautorinnen: Mojca Kumerdej und Ana Svetel. Sie behandeln sehr unterschiedliche Themen, es verbindet sie tiefe psychologische Einsicht und eine schonungslose Schreibweise, die wortwörtlich unter die Haut der LeserInnen geht. Die Autorinnen werden auch über den eigenen Schmerz beim Schreiben sprechen.
»Unter die Oberfläche« hat Mojca Kumerdej ihren neuen Erzählungsband genannt - denn dort lauern mitunter dunkle, beängstigende Dinge - eine Frau erhält nach außen hin den Schein der liebenden Mutter aufrecht, sehnt sich im Innern aber nach ihrem selbstbestimmteren Leben vor der Geburt zurück und schreitet nicht ein, als sich eine Katastrophe anbahnt. Eine andere kann nur dann selbst glücklich sein, wenn es ihrer Freundin schlecht geht. Mit feinem psychologischen Gespür schildert Mojca Kumerdej die Innenwelt ihrer Figuren, die Beweggründe für ihr Verhalten. (Aus dem Slowenischen übersetzt von Erwin Köstler, Liza Linde, Karin Almasy und Fabjan Hafner, Wallstein, 30.08.2023) - Mojca Kumerdej, geboren 1964, ist eine slowenische Autorin, Philosophin und Journalistin. Nach ihrem Studium der Philosophie und Kultursoziologie an der Universität von Ljubljana debütierte sie mit ihrem parodistischen Roman »Krst nad Triglavom«. Darauf folgten zwei Bände mit Erzählungen, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Für ihren zweiten Roman »Kronosova žetev« (Chronos erntet) erhielt sie den renommierten Prešeren Fund Award.
Ana Svetel, 1990 geboren, ist Dozentin für Kultur- und Sozialanthropologie an der Philosophischen Fakultät der Universität Ljubljana. Sie veröffentlichte zwei Gedichtsammlungen (Lepo in prav, 2016 und Marmor, 2022) und zwei Kurzprosabände (Dobra družba, 2019 und Steklene stene, 2024). Für letzteren erhielt sie 2025 den Kritiško-sito-Preis, der von Literaturkritiker:innen für das beste Buch des Jahres vergeben wird. Im Rahmen des internationalen Vilenica-Festivals erhielt sie den SEP-Preis für junge Autor:innen. Ihre Texte wurden in allen wichtigen slowenischen Literaturzeitschriften veröffentlicht und in verschiedene Sprachen übersetzt.