Haus des Buches
Literaturhaus Leipzig

Veranstaltungen
© Foto: T. Wieringa © Stephan Vanfleteren / C. Brinkgreve © Jildiz Kaptein / G. de Vugt: Annaleen Louwes
20. März 2026 / 20 Uhr / Literaturcafé
LEIPZIG LIEST
Neue Literatur aus den Niederlanden
Über ihre neuen Bücher sprechen Tommy Wieringa, Christien Brinkgreve und Geertjan de Vugt mit Christoph Buchwald:

Tommy Wieringa »Nirwana« (dt. von Bettina Bach, Hanser 2025)

Die Zwillinge Hugo und Willem Adema könnten unterschiedlicher nicht sein. Der eine ist ein gefeierter Künstler, der andere leitet das vom Großvater aufgebaute millionenschwere Offshore-Imperium. Doch wer war dieser Großvater, der zuerst auf deutscher Seite kämpfte und sich dann dem Widerstand anschloss? Als seine verschollen geglaubten Tagebücher auftauchen, geht es für alle bald um viel mehr als nur die Vergangenheit. »Nirwana« ist ein schillernder Generationenroman über die bis in die Gegenwart wirkende Verschränkung von Wirtschaft und Faschismus, den Vormarsch der neuen Rechten und die Frage nach Macht und Ohnmacht der Kunst.

Christien Brinkgreve »Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen« (dt. von Lisa Mensing, Hanser 2026)

Nach dem Tod ihres Mannes räumt Christien Brinkgreve das gemeinsame Haus um. Was wie eine äußere Routine erscheint, stößt bei ihr eine innere Bewegung an: Eine Frau blickt zurück - auf ihr Leben, ihre Ehe, ihre Rolle in der Familie und in der Welt. Was bleibt von den gemeinsamen Jahrzehnten? Wer war sie in der Beziehung, wer ist sie ohne sie? Und wie kann es sein, dass sie sich als selbstbestimmte Frau zwischen Liebe und fremden Erwartungen verloren hat? Brinkgreves mutiges Buch findet Worte für Schlüsselerfahrungen, die viele Frauen teilen. Eine radikal persönliche Rückschau, eine große und schonungslose Erkundung des Frauseins, des Alterns und der Lebensentscheidungen, die wir aus Liebe treffen.

Geertjan de Vugt »Der Wunsch, zu verschwinden. Über Fingerabdrücke« (dt. von Lisa Mensing, Zsolnay 2026)

Der Fingerabdruck ist der Inbegriff persönlicher Identität. Seine Geschichte ist eine von Magiern, Detektiven, Wissenschaftlerinnen, Genies, Scharlatanen und Handleserinnen. In seinem fabelhaften Buch umkreist Geertjan de Vugt die sozialen, philosophischen, kunsthistorischen und existenziellen Themen rund um den Fingerabdruck und bewegt sich dabei zwischen Fakten und Erzählungen. Er erzählt von dem böhmischen Mediziner, der sich als Erster eingehend mit dem Fingerabdruck beschäftigt hat, und davon, wie er für Verträge und in der Kriminologie interessant wurde. Aber auch von jener Ärztin, die aus Virginia Woolfs Fingern gelesen haben wollte: "Ich glaube, Virginia Woolf ist gestört." Eine rasante Reise durch die Geschichte mit verblüffenden Funden: ein reichhaltiges, gelehrtes und spielerisches Buch über unsere Besessenheit von Einzigartigkeit und Unsichtbarkeit.

Eintritt: 10,- / 7,- EUR ǀ Karten an der Abendkasse oder im Online-Vorverkauf: https://rausgegangen.de/events/neue-literatur-aus-den-niederlanden-mit-tommy-wieringa-chris-0/ ǀ Veranstaltung des Nederlands Letterenfonds / Dutch Foundation for Literature und des Literaturhauses Leipzig

Zu den Autor:innen:

Tommy Wieringa, 1967 geboren, ist einer der erfolgreichsten niederländischen Schriftsteller. Er schreibt Romane, Erzählungen, Essays und Reisereportagen. Bei Hanser erschienen »Joe Speedboat« (»Keine Zeit für Helden« - Roman, 2006), »Der verlorene Sohn« (Roman, 2010), »Eine schöne junge Frau« (Roman, 2015), »Niemandes Herr, niemandes Knecht« (Hanser-Box, 2015) und »Dies sind die Namen« (Roman, 2016). Für »Santa Rita« (Roman, 2019) erhielt er den BookSpot Literaturpreis sowohl in der Kategorie der Kritiker als auch der Leser.

Christien Brinkgreve wurde 1949 geboren und ist emeritierte Professorin für Soziologie. Sie forschte und publizierte zu den Beziehungen zwischen Männern und Frauen, zwischen Eltern und Kindern sowie zum Umgang mit Emotionen. Sie lebt in Amsterdam.

Geertjan de Vugt, geboren 1985, ist Direktor des Erasmus-Preises. Zuvor war er lange Zeit Koordinator für Wissenschaft und Kunst an der Königlichen Akademie der Künste und Wissenschaften in Amsterdam. Er schreibt für »de Volkskrant« und die »Süddeutsche Zeitung« über Kunst, Poesie und Literatur und hat als Literaturwissenschaftler an der University of Wisconsin-Madison, an der Princeton University und am IFK in Wien gearbeitet.


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